1. Euphonium Tage

1. Euphonium Tage

Die Übersetzung aus dem Griechischen für das Euphonium spricht für sich: Euphonium bedeutet im Deutschen „wohlklingend“. Trotz seiner klanglichen und spieltechnischen Besonderheiten erfreut sich das Instrument im deutschsprachigen Raum erst seit einigen Jahren wachsender Beliebtheit. Um dem Instrument eine Plattform zu geben, haben sich neun professionelle Euphonistinnen und Euphonisten zusammengeschlossen und gemeinsam mit der Bläserakademie Baden-Württemberg ein einzigartiges Konzept für die „Ersten Deutschen Euphonium Tage“ entwickelt. Im Interview spricht Klemens Vetter stellvertretend für das Dozenten-Team über das vielfältige Programm der Euphoniumtage, was die Teilnehmenden erwartet und wieso das Euphonium ein ganz besonderes Instrument ist.

 

Für die ersten Euphonium-Tage hat sich ein Dozententeam aus neun professionellen Euphonistinnen und Euphonisten gefunden. Wie habt ihr euch kennengelernt und wie wurde die Idee zu der Veranstaltung geboren?

Wir alle haben über die letzten Jahre unser Euphonium-Studium in der Schweiz absolviert. Dort gibt es zwei Euphoniumklassen in Luzern und Bern mit Professor Thomas Rüedi. Die meisten von uns kannten sich schon davor, aber spätestens da hat man sich dann besser kennengelernt und mehr Zeit miteinander verbracht. Die Idee zu den Euphonium Tagen in Deutschland ist schon sehr lange in unseren Köpfen und kam ursprünglich auch von Thomas Rüedi, der uns immer wieder dazu ermutigt hat mehr für das Euphonium in Deutschland zu machen und unser Gelerntes auch weiterzugeben. Jedes Mitglied der Gruppe hat inzwischen professionelle Erfahrungen mit dem Instrument gemacht oder sich auf spezielle Aspekte des Euphoniums spezialisiert. Diese Vielfältigkeit und die große Leidenschaft für unser Instrument wollen wir bündeln und gemeinsam Neues gestalten.

 

Ihr bietet während des Wochenendes ein sehr vielfältiges Programm an. Was erwartet die Teilnehmenden?

Die Teilnehmenden erwartet in der Tat ein sehr intensives Wochenende. Es gibt verschiedene Workshops, die individuell über das Wochenende besucht werden können. Dort wird man direkt von den beiden Autoren mehr über die Bläserschule „Brasstrail“ erfahren, das Spielen mit einer Loopstation ausprobieren, erfahren welche Instrumente es vor dem Euphonium gab und auch etwas darüber lernen, welche Funktion das Euphonium in den verschiedenen Orchesterformationen hat. Das Besondere daran ist, dass wir diese Workshops nicht nur theoretisch als Vorträge anbieten, sondern alles zum Ausprobieren vor Ort sein wird und immer das gemeinsame Musizieren im Vordergrund stehen wird.

Neben diesen Workshops wird es auch sehr viel Kammermusik geben. Wir werden die Teilnehmenden in verschiedenen Ensembles von Duo bis zum Tutti-Ensemble zusammenbringen und die Noten schon im Voraus verschicken, damit man sich vorbereiten kann und nicht auch noch während des Wochenendes üben muss.

Dazu gibt es dann noch die Möglichkeit, Einzelunterricht mit den Dozierenden zu bekommen und an individuellen Stücken oder Problemen zu arbeiten. Auch die Möglichkeit mit einer Korrepetitorin ein Solostück zu proben und am Sonntag aufzuführen besteht. Dazu haben wir mit Ekaterine Kintsurashvili eine hervorragende Korrepetitorin mit an Bord. Sie wird die Dozierenden auch am Freitagabend beim Eröffnungskonzert begleiten. Der Samstagabend ist dann mit der Brass Band A7 und den Dozierenden als Solisten bestens gefüllt. Somit steht einem intensiven und lehrreichen Wochenende rund ums Euphonium nichts mehr im Wege.

 

War es euch bei der Konzeption der Euphonium-Tage wichtig, dass eine möglichst große Bandbreite bzw. ein möglichst großes musikalisches Spektrum abgebildet wird?

Ja, total! Zum Euphonium gehört eben nicht nur die Brass Band und die Sololiteratur aus Großbritannien, sondern noch sehr viel mehr. Wir werden als Gruppe sicherlich das meiste abdecken was man mit diesem Instrument spielen kann. Daneben sind wir aber auch total offen und gespannt darauf, was die Teilnehmenden selbst mitbringen und bieten die Möglichkeit sich selbst zu präsentieren und vorzustellen.

 

Als Zielgruppe sprecht ihr gezielt Euphonistinnen und Euphonisten an, die bereits Erfahrung mit dem Instrument haben. Wieso habt ihr euch für diese Zielgruppe entschieden? Plant ihr zukünftig auch Angebote für Einsteigerinnen und Einsteiger?

Wir sind uns sicher, dass es in Deutschland sehr viele engagierte und motivierte Euphonistinnen und Euphonisten gibt, die nach dieser Art von Vernetzung suchen und an Fortbildungen und persönlicher Entwicklung interessiert sind. Diese Art von Teilnehmenden versuchen wir mit den Deutschen Euphonium Tagen zu erreichen. Von motivierten Jugendlichen bis zu erfahrenen Euphonistinnen und Euphonisten aus Blasorchestern und Brass Bands. Musikstudierende, Profis und auch Musiklehrpersonen, die Euphonium unterrichten, können sich an diesem Wochenende Inputs holen und mehr über den aktuellen Stand des Euphoniums in der Welt und Deutschland erfahren.

Für die Basisarbeit gibt es inzwischen viele Bläserklassen und eine gut strukturierte Jugendausbildung an den Musikschulen. Ein Instrument kann man leider nicht an einem Wochenende lernen, weshalb wir uns ein gewisses Grundniveau wünschen würden. Dass es einen Einsteiger Kurs speziell für Euphonium geben wird, könnten wir uns in den nächsten Jahren auch gut vorstellen. Darüber hinaus wollen wir die Euphonium Tage Deutschland zu einer alljährlichen Veranstaltung machen, bei der immer wieder neue Themen und Schwerpunkte bearbeitet werden.

 

Was ist das Besondere am Euphonium? Woran liegt es, dass das Tenorhorn und Bariton in Orchestern nach wie vor bekannter sind?

Das Besondere am Euphonium ist der wunderschöne und warme Klang. Sehr virtuos und schnell spielen kann man auf allen Instrumenten, aber dass es dann noch schön und natürlich klingt ist auf dem Euphonium wie ich finde etwas leichter als auf anderen Blechblasinstrumenten.

In der Traditionellen Blasmusik im deutschsprachigen Raum trifft das sicherlich zu. In der Sinfonischen Blasmusik meistens und in Brass Bands eigentlich verpflichtend wird auch in Deutschland inzwischen Euphonium gespielt. International gesehen kennt man in vielen Ländern meist nur das Euphonium und kann es dort schon seit vielen Jahren an den Musikhochschulen studieren. Deutschland ist hier noch ein Entwicklungsland aber die 1. Euphonium Tage werden vielleicht ein weiterer Schritt sein, um das Euphonium auch in Deutschland weiter voranzubringen.

Die Diskussion Euphonium gegen Tenorhorn/Bariton ist vermutlich so alt wie die Instrumente selbst und wird auch sicherlich weiterhin ein Thema sein. Meiner persönlichen Meinung nach kommt es immer noch auf die Person hinter dem Instrument an und ob man sich der geforderten Stilistik bewusst ist. Bei einem Blindvergleich verschiedener Personen auf verschiedenen Instrumenten wäre es sicherlich nicht so einfach einen Unterschied zu hören.

 

Möchtet ihr mit den Euphonium-Tagen dazu beitragen, das Instrument noch bekannter zu machen?

Ja, unbedingt! Neben dem Ziel das Instrument bekannter zu machen und die vielen Facetten des Euphoniums aufzuzeigen, wollen wir vor allem eine Plattform für alle Euphonistinnen und Euphonisten schaffen, um sich auszutauschen, Neues zu entdecken und damit eine große Community etablieren. Wir alle brennen für dieses Instrument und mussten auf unserem Weg zu einer professionellen Karriere verschiedenste Umwege und Hürden nehmen, um am Ende das Instrument zu spielen, das wir nun mal am liebsten spielen. Wir wollen es allen Euphonistinnen und Euphonisten in Zukunft leichter machen ihr Hobby zu genießen oder es zum Beruf zu machen.

 

Stellvertretend für das Euphonium-Dozierenden-Team: Klemens Vetter

Interview: Kristin Häring

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